“Alles, was wir über die Länder jenseits des Ozeans wissen, haben wir von Flüchtlingen, verirrten Kriegern und verzweifelten Reisenden erfahren. Auch ihr Schicksal steht auf des Messers Schneide.“
- Decimus der Historiker
Die Geschichte von Cantha und Elona, wie wir sie kennen, endet mit der Befreiung Orrs aus dem Meer. Nur wenige Neuigkeiten über diese Länder dringen bis nach Norden in den tyrianischen Kontinent vor. Die Untoten von Orr und die Aufstände in der Kristallwüste führen dazu, dass Neuigkeiten sehr selten und schwierig zu bekommen sind.
Cantha
Wir schreiben das Jahr 1127 AE, in dem Kaiser Usoku, Nachfolger von Kaiser Kisu, sein Volk fest im Griff hat und eisern regiert. Er vergrößerte die canthanische Armee, gab Millionen von Gold aus, um sie zu bewaffnen, und ließ das ganze Land einnehmen. Er bezwang die Luxon und die Kurzick und gliederte so diese ungleichen Völker wieder in sein Reich ein.
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Usoku vereinte Cantha unter einem starken Nationalstolz und begann, alle nichtmenschlichen Bewohner zu vertreiben. Sein Regime war eisern, tyrannisch und streng. Denjenigen, die sich den Verfügungen des Kaisers nicht beugten, blieb keine Wahl als ihre Heimat aufzugeben, um Zuflucht und Schutz in Elona und Tyria zu suchen.
Das Ergebnis ließ nicht lange auf sich warten. Bald hatte sich Cantha extrem isoliert. Als sich Orr aus dem Meer erhob, wurde es sogar noch schwerer, nach Cantha zu gelangen, da ein sicheres Reisen über die westlichen Meere nun unmöglich wurde. Jedes Schiff, welches versuchte, durch die Meeresenge bei Malchor zu fahren, wurde von schwarzen Schiffen versenkt. Anschließend wurden diese Schiffe vom Meeresboden hervorgeholt und dem Befehl des Orrianischen Drachen unterstellt, um seine Flotte zu vergrößern. Nun, da es ganz von Kryta abgeschnitten war, verschwand Cantha vollständig. Reisende, Flüchtlinge und sogar Xunlai-Agenten, welche in Tyria lebten, hörten nie wieder etwas von Cantha.
Alles, was nach diesem schrecklichen Ereignis bleibt, sind sporadisch an die südliche Küste des Maguumadschungels angespülte Seeleute: das einzige Anzeichen dafür, dass Cantha noch existiert.
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Es kann nur angenommen werden, dass Usokus Nachfolger die diktatorische und fremdenfeindliche Herrschaft fortgesetzt haben und Cantha weiterhin mit eiserner Faust regieren.
Elona
In den Jahren nach dem Fall von Varesh Ossa und Abaddon war in Elona Frieden eingekehrt. Die Sonnenspeere verteilten sich über alle drei Kontinente, um ihre alte Bestimmung zu erfüllen. Aber der Frieden, den sie dem Land brachten, war nicht von Dauer. In ihrem Bestreben, Varesh Ossa im Kampf zu stürzen und so die Befreiung Abaddons aus seinem göttlichen Gefängnis aufzuhalten, entfesselten die Sonnenspeere ein Ungeheuer, welches ihren eigenen Untergang einläuten und das nächste dunkle Zeitalter herbeiführen sollte.
Der Name des Ungeheuers war Palawa Joko. Innerhalb von 60 Jahren nach Kormirs Gottwerdung hatte Palawa Joko seine Macht wiederhergestellt und führte eine neue Armee aus Mumien, Zombies und anderen Untoten aus der Kristallwüste heraus in den Krieg gegen Vaabi. Um seine Herrschaft zu festigen, ließ Palawa Joko den Fluss Elon anstauen und leitete ihn um. Dies verursachte schlimme Dürren und Hungersnöte in den nördlichen Provinzen Elonas.
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In der Kristallwüste hingegen entstanden dadurch grüne und fruchtbare Gegenden, in denen Palawa Joko den Sitz seines neuen Königreiches errichtete.
Die durch die Flußumleitung entstandene Hungersnot verursachte Aufstände und Rebellionen unter dem Volk von Vaabi und Nordkourna. Dadurch war es Palawa Joko ein leichtes, den elonischen Widerstand zu brechen. Vaabi kapitulierte, um zu überleben, und so wurden auch Kourna und Istan Vasallenstaaten unter der Herrschaft des Monsters.
Palawas Preis für sein Wohlwollen waren Abgaben, aufgezwungene Loyalität und die Auslieferung aller Personen mit dem Namen Ossa. Manchmal wurden in den Hügeln von Elona ein paar Nachkommen gefunden, die sich versteckt hatten. Auch sie wurden zum untoten Herrscher von Elona gebracht. Aus diesen Nachkommen seines alten Feindes schuf Palawa eine lebende Armee, welche der seiner Untoten ebenbürtig war. Er erfreute sich an der Ironie, dass Ossas Nachfahren ihm sein Leben verdankten und ihm treu ergeben waren. |
Palawa war ebenso stolz auf die Zerstörung seiner größten Feinde: der Sonnenspeere. Besiegt, ihre Festungen zerstört, sie selbst in alle Winde verstreut, hatten sie keine Macht mehr in Elona. Schließlich vergaß der Großteil der Bevölkerung den Orden und die heroischen Taten seiner Mitglieder. Die wenigen Sonnenspeere, die überlebt hatten, gaben die Überlieferungen und Lehren mehr als hundert Jahre lang an ihre Nachfahren weiter. Sie wurden zu umherwandernden Mystikern, Philosophen und einsamen Kriegern in einer Welt, in der ihre Existenz längst vergessen war.
Einige Sonnenspeere, verführt durch Palawa Jokos Angebot von Macht und Rang, brachen jedoch ihre alten Gelübde. Diese Verräter an ihrem Orden erhielten entweder das Kommando über Palawas Armeen oder die Erlaubnis, im Alleingang gegen diejenigen vorzugehen, die sie einst verachtet hatten. Jeder einzelne, von Palawa persönlich bekehrt, bekam die Macht über Leben und Tod mitsamt dem Auftrag, seine ehemaligen Sonnenspeer-Gefährten zu jagen und umzubringen — oder dem Herrscher vorzuführen, damit dieser sie für seine unheilvolle Sache gewinnen konnte. Diese Ritter, bekannt als die "Beißenden Sicheln", warfen einen dunklen Schatten über die sonst so sonnigen Länder im Süden Tyrias.
Der Orden der Gerüchte
Der Orden der Gerüchte existiert noch immer und hat sich hinter die Grenzen Elonas zurückgezogen. Seine Mitglieder waren die Ersten, die die Erweckung der Drachen in Orr und an anderen Orten bemerkten, doch resigniert stellten sie fest, dass ihnen niemand Glauben schenkte. Sie beschlossen, sich über ganz Tyria zu verteilen und so viele Menschen wie möglich zu bekehren, um sie über die wahre Gefahr in Kenntnis zu setzten, die alle Völker auf der Welt bedrohte.
Sie arbeiteten zusammen mit Krytanern und Ascaloniern und behielten sogar eine Präsenz in Elona, obwohl ein Durchqueren der Kristallwüste durch Palawas Festung und den Drachen in der nördlichen Wüste unmöglich geworden war. Trotz all dieser Widrigkeiten unterhält der Orden immer noch Kontakt mit Elona, um dem Militär in seinem Kampf gegen Palawa und dessen Diener zu helfen.
Der Orden der Gerüchte machte sich auch um den Fortbestand des menschlichen Wissens verdient, als Löwenstein überflutet wurde und die große Bibliothek in der Stadt bedroht war. Der Orden rettete Tausende von alten Schriftrollen, Büchern und historischen Artefakten und brachte sie in ein geheimes Kloster in den nahe gelegenen Zittergipfeln. Gelagert, weit über dem steigenden Wasser, verblieben diese Schriften dort als einzig wahre Aufzeichnungen über die Frühzeit der Menschheit. Die Mönche in diesem Kloster sind teils Historiker, teils Krieger, die diese heiligen Werke studieren und verteidigen.
Löwenstein
Als sich das Wasser, nach Orrs Aufstieg aufgewühlt, aus Löwenstein zurückzog, wurde aus den Ruinen der einst majestätischen Stadt eine Piratenfestung. Die seetüchtigen Schiffe von den orrianischen Inseln fanden Zuflucht und Schutz in den Ruinen von Löwenstein und erschufen eine neutrale Stadt, offen für alle Völker und von Söldnern regiert.
Die Kampfinseln wurden zur gleichen Zeit überschwemmt, die dortigen Tempel versanken. Die Priester des Balthasar wurden in alle Winde zerstreut, bevor auch sie, als sich das Wasser zurückzog, ihren Weg nach Löwenstein fanden. Sie behaupteten, ihr Gott selbst habe sie dorthin geführt und tatsächlich öffnete ihr Gott mitten in der Stadt ein Portal, das in die Nebel führt, einen Kriegsschauplatz der Welten, in dem ständig um die Gunst Balthasars gekämpft wird. Mit dem Fall der Kampfinseln wurde Löwenstein nicht nur zur Heimat und Anlaufstelle für Gilden aus aller Welt, sondern auch zum neuen Treffpunkt für den Aufbruch in die Halle der Helden.